Der Begriff des Vibes macht Karriere – in den sozialen Medien, im alltäglichen Smalltalk, in Empfehlungen populärer neuer Bücher und Filme. Etwas lässt sich nicht erklären, aber trotzdem intuitiv verstehen? Dann ist es ein Vibe – ein vibrierendes Gefühl, eine stimmungsgeladene Energie. Netflix, Spotify und verschiedene Modeanbieter kategorisieren ihre Produkte inzwischen nicht nur nach Genres, Interpreten oder Marken, sondern auch nach Vibes. In Internetforen wird gezielt nach Büchern und Filmen gefragt, die einem bestimmten Vibe entsprechen. Namen von Autoren und Inhaltsangaben zählen immer weniger, stattdessen heißt es auf Buchdeckeln jetzt umso öfter: “Empfohlen für Fans von…”. Politische Mentalitätswandel bezeichnet man währenddessen als Vibeshift. Kommt man mit Menschen in Kontakt, die man seltsam oder unsympathisch findet, dann mag man ihren Vibe nicht. Auch Dating-Apps arbeiten inzwischen immer öfter mit diesem Konzept und passen sich somit einer Gegenwart an, in der zwar jeder zu allem eine Meinung hat, deswegen aber noch lange nicht weiß, wie er diese ausdrücken soll. Vibes dienen der Sortierung, nicht der Spezifizierung. Wer etwas mithilfe des Vibe-Begriffs erklärt, macht nichts wirklich verständlicher, erheischt aber Einverständnis.