Die Zahlen klingen beeindruckend: Auf der Schiene allein werden für das heurige Neujahrsfest rund 540 Millionen Passagierfahrten erwartet, im Luftverkehr etwa 95 Millionen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Insgesamt wird mit rund 9,5 Mrd. einzelnen Reisebewegungen gerechnet. Der Straßenverkehr soll laut Schätzungen mit rund 80 Prozent den größten Anteil ausmachen.
Neben den traditionellen Heimatreisen, bei denen viele Menschen das Fest mit ihren Familien verbringen, hat laut Bericht auch der Tourismus stark an Bedeutung gewonnen. Besonders gefragt seien Ziele mit Schnee im Norden sowie wärmere Regionen im Süden des Landes. Viele Chinesen reisen auch ins Ausland, nach Europa, aber auch in andere asiatische Staaten und Afrika.
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Viele Millionen Chinesen und Chinesinnen machen sich nun auf die Reise
Heuer fällt das chinesische Neujahrsfest auf den 17. Februar. Es läutet nach dem traditionellen Mondkalender das „Jahr des Pferdes“ ein, genauer des Feuerpferdes. Der offizielle Feiertagszeitraum umfasst neun Tage. Die 40-tägige Reisesaison „Chunyun“ dauert bis zum 13. März.
Vom Land in die Stadt statt umgekehrt
Seit bald 50 Jahren setzt sich zum chinesischen Neujahr alljährlich die laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua „größte Migrationsbewegung der Welt“ in Bewegung. Zu Beginn reisten viele Arbeiter und Arbeiterinnen, die aus ländlichen Gebieten zum Arbeiten in die Stadt gezogen waren, zu ihren Familien aufs Land. Mittlerweile würden viele Familien die Zeit auch dazu nutzen, einfach Urlaub zu machen, und das eben auch anderswo, so Xinhua.
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Immer öfter reisen die Großeltern bzw. Eltern vom Land in die Stadt
Mittlerweile würden immer öfter Eltern, die oft schon in Pension sind, ihren arbeitenden Kindern in die großen Städte nachfahren. Laut der Reiseplattform Qunar steigt die Zahl der Tickets, die von über 60-Jährigen in der Zeit des Neujahrsfests gekauft werden, jährlich um mehr als 35 Prozent.
Starker Reiseverkehr zum chinesischen Neujahrsfest
Das chinesische Neujahrsfest gilt als der wichtigste traditionelle chinesische Feiertag. Seit Jahrzehnten ist es Anlass für Reisen von und zur Familie.
Die zunehmende Reisetätigkeit bringe auch der Wirtschaft einen wichtigen Auftrieb, so Xinhua weiter. Der Binnentourismus zu den Feiertagen sei 2025 um fast sechs Prozent auf über 500 Mio. Trips angestiegen, die Ausgaben um sieben Prozent auf über 82 Mrd. Euro.
China will Inlandsnachfrage stärken
Chinas Wirtschaft ist stark exportorientiert und damit sehr von der Weltwirtschaft abhängig. Um sich mehr freizuspielen, versucht die Führung des Landes, die Inlandsnachfrage zu stärken – mit gemischtem Erfolg. Das Bruttoinlandsprodukt legte im vierten Quartal 2025 im Jahresvergleich um 4,5 Prozent zu. Damit verzeichnete die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zuletzt das schwächste Quartalswachstum seit dem Ende des CoV-Lockdowns.
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Peking versucht, den Tourismus im eigenen Land mit speziellen Aktionen anzukurbeln
Peking will im nächsten Fünfjahresplan den Binnenkonsum als Treiber für Wachstum fördern, unter anderem mit finanziellen Unterstützungen für Neuanschaffungen, etwa für Autos. Der private Verbrauch macht derzeit etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Zum Vergleich: In den USA sind es fast 70 Prozent. Einige Regierungsberater empfehlen, das Ziel auf etwa 45 Prozent in den nächsten fünf Jahren anzuheben.
Entsprechend nutzt die Führung das Neujahresfest auch dazu, mit Kampagnen und Aktivitäten den Binnentourismus zu fördern, damit das Geld im Land bleibt. 30.000 Aktivitäten seien im ganzen Land geplant, so Xinhua, dazu gebe es eine Reihe von Gutscheinen und Fördermitteln.
China: Stofftierfehler als Symbol für Arbeitsfrust
Erholung von Leistungsdruck und Burn-out
Der Trend zum Reisen und damit Erholung statt zu viel zu arbeiten zeigt sich auch in den anderen Bereichen: Im Vorfeld des heurigen Neujahrsfests wurde ein fehlerhaftes rotes Stofftierpferdchen in China zum Hit, das statt eines breiten Grinsens ein herabhängendes Maul hat. Laut chinesischer Astrologie steht das Feuerpferd für Energie und Fleiß.
Das Stofftier hat offenbar einen Nerv getroffen. „Man scherzte, dass das traurige Pferd dein Aussehen bei der Arbeit symbolisiert, während das lächelnde Pferd dein Aussehen nach der Arbeit darstellt“, so die Inhaberin der Herstellungsfirma in Yiwu, Zhang Huoqing. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in China scheint es zum Sinnbild für Leistungsdruck und Burn-out geworden zu sein, was in der extrem leistungsorientierten Arbeitskultur des Landes sonst kaum Platz hat.