Nahost-Krieg: Teurere Lebensmittel nur Frage der Zeit

Nahost-Krieg: Teurere Lebensmittel nur Frage der Zeit
March 20, 2026

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Nahost-Krieg: Teurere Lebensmittel nur Frage der Zeit

Der Konflikt unterbricht die Lieferketten für Düngemittel genau zu Beginn der wichtigen Aussaat auf der Nordhalbkugel. Die Herstellung von Dünger ist extrem energieintensiv und basiert auf Erdgas. Ein Großteil der Weltproduktion findet daher im Nahen Osten statt. Angriffe auf Energieanlagen in der Golfregion haben dort nicht nur die Öl- und Gasförderung, sondern auch die Düngemittelproduktion weitgehend zum Erliegen gebracht.

Seit Kriegsbeginn sind die Preise für Stickstoff-, Harnstoff- und Schwefeldünger in Europa um bis zu 40 Prozent gestiegen. Anders als bei Öl gibt es kaum strategische Reserven. Laut UNCTAD, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, werden monatlich etwa 1,3 Millionen Tonnen Dünger durch die Straße von Hormus exportiert. Bliebe die Meerenge für 30 Tage geschlossen, könnte das bereits zu Engpässen führen.


Reuters/Imago/Cfoto

Hunderttausende Tonnen Düngemittel stecken durch die Blockade der Straße von Hormus fest

Stickstoffintensive Pflanzen besonders betroffen

Dem Analysehaus für globale Energie- und Rohstoffmärkte Argus zufolge wird etwa die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittel mit Dünger angebaut. Besonders kritisch sind kurzfristig stickstoffbasierte Produkte wie Harnstoff. Der Weltmarkt für Harnstoff war bereits vor dem Krieg angespannt, da Europa seine Produktion nach dem Wegfall von billigem russischem Gas drosseln musste und China seine Exporte zur Sicherung der Eigenversorgung beschränkt.

Düngemittel sind für die Erträge vieler Feldfrüchte zentral. Wenn Bauern und Bäuerinnen wegen hoher Preise oder wegen Knappheit weniger düngen, sinken in der Regel die Ernten. Das betrifft zunächst vor allem stickstoffintensive Pflanzen wie Mais und Weizen. Höhere Kosten für Futtermittel schlagen später auf alles von Brot bis hin zu Geflügel und Eiern durch.

In Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Anteil von Lebensmitteln und Treibstoff an den Ausgaben der Haushalte mit 30 bis 50 Prozent deutlich höher als in Industrieländern, wie die Ratingagentur Moody’s schrieb. Das macht sie extrem anfällig für Preisschocks von außen. Das Welternährungsprogramm (WFP) warnte bereits vor weitreichenden Folgen des Nahost-Krieges für die Ernährungssicherheit unter besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen.


ORF/Dominique Hammer

Die Folgen einer Düngemittelknappheit könnten global spürbar werden

Wechselwirkung verstärkt Belastung

Nicht nur mangelnder Dünger könnte die Lebensmittelpreise steigen lassen, auch die Treibstoffkosten spielen eine zentrale Rolle. Von den Landwirtschaftsmaschinen zu den Lastwagen, die die Ernte transportieren, über die Verarbeitungsanlagen bis zur Kühlung: Überall wird Treibstoff benötigt. Steigende Energiekosten wirken sich also auf jede Phase der Produktion aus.

Darauf verwies am Freitag auch Agrarökonom Franz Sinabell vom Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO): „Transport braucht Energie, aber auch Mahlen und Tiefkühlen braucht Energie. Das zieht sich eigentlich durch.“ Dass sich der Krieg auch in den Lebensmittelpreisen niederschlagen wird, sei also nur eine Frage der Zeit. „Nach bisherigen Erfahrungen dauert das nicht lange“, sagte er gegenüber der APA.

„Teurere Energieträger stehen generell in Verbindung mit Preisanstiegen von Agrargütern“, sagte Sinabell. „Wenn Preise für manche Energieträger steigen, ist es so, dass in der Regel die Energie insgesamt teurer wird, weil die verschiedenen Träger substituiert werden können. Das heißt, wenn Rohöl teurer wird, wird beispielsweise auch Gas teurer. Und weil aus Getreide wie Weizen oder auch Raps nicht nur Nahrungsmittel erzeugt, sondern auch Energieträger wie Treibstoffe produziert werden, besteht hier eine Wechselwirkung.“

Beginn bei Grundnahrungsmitteln

Wie stark die Preise steigen könnten, ist für Sinabell nicht absehbar. Die Erfahrung zeige jedenfalls, dass Preissteigerungen vor allem bei Grundnahrungsmitteln wie Brot und Butter zu befürchten seien. Auch Fleisch und Milchprodukte könnten mittel- bis langfristig teurer werden, wenn die Futtermittelpreise steigen. Generell erwartet Sinabell aber, „dass das durch alle Produktkategorien durchgeht“.

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