COMAC C919: China fordert Airbus und Boeing heraus

COMAC C919: China fordert Airbus und Boeing heraus
February 8, 2026

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COMAC C919: China fordert Airbus und Boeing heraus

Die C919 ist das erste Mittelstreckenflugzeug, das vollständig in China entwickelt wurde. Gebaut wird es seit 2015 von der staatlichen COMAC. Es wurde im September 2022 für den Luftverkehr zugelassen, im Dezember erfolgte die erste Auslieferung. Im Mai 2023 absolvierte eine COMAC 919A der China Eastern Airlines den ersten Linienflug des Typs zwischen Schanghai und Peking.

Dieser Erstflug fand Jahre später statt als geplant, auch die Bestellungen für den Jet blieben zuerst hinter den Erwartungen. Das habe sich seit damals allerdings geändert, hieß es in einem Bericht der BBC über die Singapore Airshow am Mittwoch. Der Stand des Herstellers dort ziehe „besondere Aufmerksamkeit auf sich“, nachdem „signifikante Fortschritte“ gemacht worden seien.

Ähnlich konzipiert

Der Mittelstreckenjet ist laut Hersteller für bis zu 192 Passagiere konzipiert und mit einer Rumpflänge von knapp 39 Metern ähnlich groß wie der Airbus A320neo und die Boeing 737-Max. Die Reichweite gibt die COMAC auf ihrer Website mit bis zu 5.555 Kilometern an.


IMAGO/VCG

Cockpit einer C919 bei der Singapore Airshow 2024

Entworfen wurde er als direktes Konkurrenzmodell zu den beiden bisher meistverkauften Maschinen ihrer Klasse. Ihr Debüt hatte die C919 auf der Luftfahrtmesse in Singapur 2024. Sie gilt als eine Art Seismograf für den Luftfahrtmarkt im asiatischen und pazifischen Raum.

Expansion in Südostasien

Im Visier hat der staatliche chinesische Luftfahrtkonzern laut dem BBC-Bericht vor allem den stark wachsenden Flugzeugmarkt in Südostasien. Nun biete die noch bis Sonntag laufende Singapore Airshow COMAC die Gelegenheit, sich als Konkurrent des europäischen Herstellers Airbus und von Boeing aus den USA im asiatisch-pazifischen Raum zu präsentieren. Dort sei der Markt für Passagierflugzeuge aktuell der weltweit am stärksten wachsende, das Angebot könne wegen noch immer bestehender Lieferkettenprobleme nicht mit der Nachfrage mithalten.

Er sei überzeugt, dass COMAC mit der Zeit zum globalen Konkurrenten für Airbus und Boeing werde, so der Generaldirektor des weltweiten Dachverbandes der Fluggesellschaften, International Air Transport Association (IATA), Willie Walsh, gegenüber der BBC, auch wenn das noch einige Jahre dauern könne.

Warten auf neue Maschinen

Er denke, in zehn bis 15 Jahren „werden wir über Boeing, Airbus und COMAC sprechen“. Ohne Frage „werden sie in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen“. Auch andere Experten gingen davon aus, dass auf dem asiatischen Markt durchaus noch Platz für einen Anbieter neben Airbus und Boeing sei.


IMAGO/VCG

Kabine der C919 mit Platz für bis zu 190 Passagiere

Zahlen der IATA zeigten, dass Fluggesellschaften weltweit länger als je auf neue Maschinen warten müssten, die Flotten würden älter, die Betriebskosten stiegen wegen des hohen Treibstoffverbrauchs älterer Maschinen. Dazu kämen Unsicherheiten aufgrund von Zollkonflikten. Boeing hatte außerdem nach zwei Unfällen mit Jets der „Max“-Reihe mit Problemen und Startverboten zu kämpfen.

Großer Wachstumsmarkt

Laut Walsh dürften Airlines im asiatisch-pazifischen Raum in den kommenden Jahren zweistellig wachsen – so sie ihre Flotten ausbauen könnten. Die Situation sei aktuell „unglaublich frustrierend“ für sie, nachdem sie von der Bestellung bis zur Lieferung von Maschinen rund sieben Jahre warten müssten. Deshalb werde COMAC zunehmend zu einer Option.


IMAGO/VCG

Die C919 ist der erste vollständig in China entwickelte und gebaute Mittelstreckenjet

Der chinesische Hersteller gebe an, bisher 200 Kurzstreckenflugzeuge seines – großteils in der Volksrepublik entwickelten und gebauten – Typs C909 für bis zu 100 Passagiere und des Mittelstreckenmodells C919 ausgeliefert zu haben. Die meisten davon würden in Laos, Indonesien und Vietnam betrieben, größere Bestellungen gebe es aktuell aus dem Sultanat Brunei auf der Insel Borneo und Kambodscha in Südostasien.

„Ein Oligopol“

Es brauche „mehr Anbieter in der Lieferkette“, zitierte die BBC den Generaldirektor der Association für Asia Pacific Airlines (AAPA), Subhas Menon. Das Problem der Branche sei, dass die Lieferkette „ein Oligopol und manchmal ein Duopol“ sei, so der indische Unternehmer unter dem impliziten Verweis auf Airbus und Boeing. Man habe lange auf einen weiteren Anbieter warten müssen. „COMAC ist eine willkommene Ergänzung. Wir brauchen insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum mehr Lieferanten.“

Der chinesische Konzern sei gut aufgestellt, so die BBC, mit starker staatlicher Unterstützung im Rücken. Seine vergleichsweise niedrigen Verkaufspreise machten ihn zu einem attraktiven Anbieter in Emerging Markets, Schwellenländern, besonders in Asien.

Europa bleibt noch Zukunftsmusik

Neue Anbieter seinen in Zukunft willkommen, „wir wollen mehr Wettbewerb sehen“, so Mike Szucs, Vorstandsvorsitzender der philippinischen Billigfluglinie Cebu Pacific, gegenüber dem britischen TV-Sender. COMAC müsse noch weitere Zertifizierungsprozesse durchlaufen, aber spätestens in den 2030er Jahren werde das Angebot „für uns und andere Carrier attraktiv sein“.

COMAC bewirbt sich auch um eine Zertifizierung für Europa. Dann könnte der chinesische Anbieter auch hier den bisherigen Marktführern Konkurrenz machen. Dahin sei der Weg allerdings noch weit. Bis zu einer Zulassung könnte es noch bis 2031 dauern. Ein Problem seien auch noch die Wartungsinfrastruktur und Pilotenausbildung, Bereiche, in denen Boeing und Airbus Jahre Vorsprung haben.

Keine offiziellen Zahlen

In Asien habe COMAC außerdem neben den Platzhirschen aus den USA und Europa noch andere etablierte Konkurrenz, etwa Embraer. Der brasilianische Hersteller habe sich Aufträge aus Singapur, Australien und Japan gesichert. Auch Airbus und Boeing werben stark um Kunden in Asien bzw. Südostasien.

Letztlich gebe es auch Zweifel an den von COMAC veröffentlichten Zahlen. Von kolportierten 1.000 Bestellungen chinesischer Unternehmen seien bisher nur ein Dutzend ausgeliefert worden. Transparente Zahlen dazu gebe es nicht.

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