Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen sagte, es sei „nicht hinnehmbar“, dass Trump die Bemühungen verbündeter Soldaten infrage stelle. Dänemark habe gemessen an der Bevölkerungszahl die größten Verluste erlitten. Der staatlichen Nachrichtenagentur Ritzau zufolge starben während des Einsatzes nach dem 11. September 2001 44 dänische Soldaten. 37 dänische Soldaten kamen laut dänischen Angaben infolge direkter Kampfeinsätze ums Leben.
Trump hatte in einem Interview mit dem Sender Fox News erneut behauptet, dass die USA die NATO nie gebraucht hätten. Mehrere andere NATO-Staaten hätten zwar Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch „ein wenig“ zurück geblieben, „etwas abseits der Frontlinien“.
Zweite Zurechtweisung in einer Woche
Davor hatte Trump in Sachen Grönland einen Rückzieher machen müssen – wohl aufgrund der harschen und weitgehend geeinten europäischen Reaktion und jener der Finanzmärkte, die die von Trump für Europa angedrohten weiteren Strafzölle alles andere als goutiert hatten.
Kanadas Premier Mark Carney hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos in einer aufsehenerregenden Rede gefordert, sein eigenes Land, Europa und andere „Mittelmächte“ müssten sich gegen die Übergriffe von Großmächten zur Wehr setzen und gemeinsam agieren. In der EU ist spätestens mit dem „Fall Grönland“ sichtlich ebenfalls das Bewusstsein stark gewachsen, sich in möglichst vielen Bereichen möglichst unabhängig von den USA machen zu müssen.
Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des NATO-Vertrags aktiviert, um den Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass NATO-Staaten wie Großbritannien oder Deutschland sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der NATO-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.
„Meine Gedanken sind bei den Veteranen“
„Meine Gedanken sind bei den Veteranen, euren Familien und Liebsten, die dies in keiner Art und Weise verdient haben“, fügte Frederiksen mit Blick auf Trumps Äußerungen auf „Facebook“ hinzu. Dänemark steht wegen des Versuchs von Trump, Grönland zu annektieren, derzeit diplomatisch eher auf Kriegsfuß mit den USA.
Der dänische Veteranenverband erklärte, ihm fehlten die Worte. „Dänemark hat den Vereinigten Staaten immer beigestanden und immer, wenn die Vereinigten Staaten uns darum gebeten haben, waren wir in Krisengebieten auf der ganzen Welt im Einsatz“, erklärte der Verband weiter.
Kritik auch aus Deutschland, Großbritannien und Polen
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wies die Äußerungen von US-Präsident Trump ebenfalls entschieden zurück. „Unsere Bundeswehr stand bereit, als unsere amerikanischen Verbündeten nach dem islamistischen Terroranschlag von 2001 um Unterstützung gebeten haben“, erklärte er am Samstag über den Whatsapp-Kanal seines Ministeriums.
Für den Einsatz habe Deutschland einen hohen Preis bezahlt, bekräftigte Pistorius. 59 Soldaten und drei Polizisten seien dabei getötet worden. Viele Verletzte litten bis heute, ebenso wie deren Angehörige. Kritik an den Aussagen war zuvor unter anderem auch aus Großbritannien und Polen gekommen.
Auch für Meloni Trump-Aussagen „nicht akzeptabel“
Auch die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni, die als Vertraute Trumps gilt, wies dessen Aussagen zurück. Aussagen, die den Beitrag der NATO-Staaten in Afghanistan relativierten, seien nicht akzeptabel – insbesondere, wenn sie von einem Bündnispartner stammten, kritisierte sie.
„Italien und die Vereinigten Staaten sind durch eine feste Freundschaft verbunden, die auf gemeinsamen Werten und historischer Zusammenarbeit beruhe. Gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen ist diese Partnerschaft von besonderer Bedeutung. Freundschaft erfordert jedoch gegenseitigen Respekt – eine grundlegende Voraussetzung, um die Solidarität innerhalb der Atlantischen Allianz zu gewährleisten.“
Während des 20 Jahre andauernden Afghanistan-Einsatzes seien 53 italienische Soldaten gestorben und mehr als 700 verletzt worden, hieß es von der italienischen Regierung.
Trump lobt nach Kritik britische Soldaten
Nach der Kritik schob Trump jedoch auf seinem Sprachrohr Truth Social ein Lob zumindest für die britischen Soldaten nach. „Die großen und sehr tapferen Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!“, schrieb Trump am Samstag in seinem Onlinedienst Truth Social.
457 britische Streitkräfte seien in Afghanistan gestorben und viele weitere schwer verletzt worden. „Sie gehörten zu den größten Kriegern“, schrieb Trump weiter. Die Verbindung zwischen den USA und Großbritannien sei unerschütterlich.
Großbritanniens Premier Keir Starmer hatte nach Trumps Behauptung gesagt, er empfinde Trumps Äußerungen als „beleidigend und wirklich erschreckend“ sowie verletzend für alle, deren Angehörige in Afghanistan getötet oder verletzt worden seien. Er legte dem US-Präsidenten nahe, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen.