Mehr als jede dritte Banane, die in Österreich 2025 verkauft worden war, trug das Fairtrade-Gütesiegel. Ähnlich ist die Quote bei Rosen, bei den Röstkaffeebohnen war es immerhin jede Zehnte, das geht aus dem Jahresbericht 2025 hervor, den Fairtrade Österreich am Freitag veröffentlicht hat. Mit dem Fairtrade-Siegel werden Produkte gekennzeichnet, die unter sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Mindeststandards hergestellt wurden.
Debatte
Für wen ist Bio und Fairtrade finanzierbar?
Fairtrade-Österreich-Schätzungen zufolge flossen 2025 89,3 Millionen US-Dollar (rund 76 Mio. Euro) aus dem Verkauf von Fairtrade-Produkten in Österreich direkt an die Produzentenorganisationen in Lateinamerika, Afrika oder Asien zurück, das ist ungefähr so viel wie im Jahr davor. Rund 32 Millionen US-Dollar und damit mehr als ein Drittel dieser Einnahmen stammt aus dem Umsatz von Kakaobohnen, dahinter liegt der Bananenverkauf mit rund 24 Millionen US-Dollar.
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die unter dem Fairtrade-Siegel produzieren, erhalten garantierte Mindestpreise. Diese greifen, wenn der Weltmarktpreis stark fällt und die Landwirte ihre Produkte unter den Produktionskosten verkaufen müssten. Liegt der Weltmarktpreis allerdings höher als der Fairtrade-Mindestpreis, müssen die Abnehmer den höheren Marktpreis zahlen. Fairtrade-Bauern bekommen zudem extra Prämien für Investitionen in Bildung oder neue landwirtschaftliche Technologien. Der Anbau von Rohstoffen wie Bananen und Kakaobohnen wird allerdings schwieriger.
Klimawandel bedroht Anbauflächen
Im Vorjahr publizierte die britische Universität Exeter etwa eine Studie, nach der es in 60 Prozent der Regionen, in denen aktuell Bananen gezüchtet werden, bis 2080 für den Anbau der Frucht zu warm werden wird. Forscher des Internationalen Zentrums für Tropische Landwirtschaft (CIAT) in Kolumbien prognostizierten zudem, dass es bis 2050 in weiten Teilen Ghanas und der Elfenbeinküste – dem weltweit größten Kakaoproduzenten – für den Kakaoanbau, wie er in der jetzigen Form stattfindet, zu trocken sein wird.
Reuters
Das Ziel von Fairtrade ist es, die Lebensbedingungen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu verbessern
Bei Fairtrade Österreich kennt man eigenen Angaben zufolge die genannten Studien, Geschäftsführer Hartwig Kirner zeigt sich gegenüber ORF.at jedoch vorsichtig optimistisch. Fairtrade-Bauern würden durch ihre Verkäufe mehr finanzielle Mittel einnehmen als herkömmliche Bauern, so Kirner. Dadurch könnten sie einerseits in Pflanzensorten, die sich besser an den Klimawandel anpassen, sowie in fortschrittliche Agrartechnologie investieren und so ihre Farmen klimaresilienter machen.
Teurere Lebensmittel nur Frage der Zeit
Die aktuelle durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölkrise würde sich bei Fairtrade Österreich laut Kirner vor allem bei den Rosen niederschlagen, da bei diesem Produkt die Transportkosten eine große Rolle spielen würden. Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 würden leichte Rückgänge zeigen, er hoffe jedoch, dass sich das nicht über das ganze Jahr ziehen werde, erklärte Kirner.
Österreich bei Fairtrade-Konsum weltweit unter Top Drei
Generell glaubt Kirner, dass die, wie er sagt, „treue Fairtrade-Kundenschicht“ mögliche Preiserhöhungen etwa aufgrund von Produktionsausfällen durch den Klimawandel mittragen würde. Davon geht auch Handelsexperte Christopher Tell vom Handelsinstitut der Johann Kepler Universität Linz aus, zwei Dinge spielen dabei laut ihm eine Rolle. Einerseits hätten Menschen, die besonders oft fair gehandelte oder Bioprodukte kaufen, meist eine höhere Ausbildung abgeschlossen, das zeigen auch Zahlen von Fairtrade.
Der höhere Ausbildungsgrad korreliere laut Tell oft mit einem höheren Einkommen, wodurch Preisanstiege leichter abgefedert werden könnten. Zudem würden Fairtrade-Konsumentinnen und -Konsumenten besonders viel Wert auf Nachhaltigkeit und faire Lieferketten legen und dadurch eher in anderen Lebensbereichen sparen anstatt bei fairen oder Biolebensmitteln.
Beim Kauf von Fairtrade-Produkten sind die Österreicher gemeinsam mit den Niederlanden Vizeweltmeister, 88 Euro wurden pro Kopf im Jahr 2025 ausgegeben, mehr Fairtrade konsumieren weltweit nur die Schweizerinnen und Schweizer.
Getty Images/gilaxia
Gut ausgebildete Menschen und Familien greifen im Schnitt öfter zu Fairtrade
Der Handelsexperte schreibt das vor allem dem österreichischen Handel zu, dieser hätte die ursprünglichen „Nischenprodukte“ in die Breite gebracht. Zudem seien die Supermärkte hierzulande schon sehr früh auf die Fairtrade und Bioschiene aufgesprungen, dadurch hätte man einen „Vorsprung“ im Vergleich zu Nachbarländern wie Deutschland.
Aufholbedarf bei Lebensbedingungen von Kakaobauern
Der Handelsexperte warnt aber, fair gehandelte und Biolebensmittel seien „Vertrauensprodukte“. Mit ihrem Kauf würden Konsumentinnen und Konsumenten dem Anbieter einen Vertrauensvorschuss geben und sich erwarten, dass Versprechen wie Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Mögliche Vertrauensbrüche aufgrund von Fehlern oder Skandalen würden schwerer wiegen als bei Produkten, die nicht damit werben, besonders fair oder nachhaltig zu sein, so Tell.
Vor einigen Jahren hatte etwa die NGO Südwind kritisiert, dass trotz Mindestpreisen nicht alle Fairtrade-Bauern gut von ihren Verkäufen leben könnten. Das sei vor allem bei Kakaobäuerinnen und Kakaobauern in Westafrika ein Problem, bestätigte Fairtrade-Österreich-Chef Kirner. Dort habe Fairtrade erst vor wenigen Jahren begonnen, in größerem Stil zu zertifizieren, mittlerweile würden aber fast drei Viertel der Fairtrade-Kakaobauern ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle erwirtschaften.
IMAGO/YAYImages/Urs Flueeler
Der Kakaobohnenmarkt erlebte in den vergangenen Jahren starke Preisschwankungen
Dass es noch keine 100 Prozent sind, sieht Kirner nicht als Bruch des Fairtrade-Versprechens. Fairtrade gehe dorthin, „wo es Probleme gebe“, so Kirner. Zudem gebe es Fortschritte, die steigenden Preise für Kakao auf dem Weltmarkt würden immer stärker bei den Bauern in Westafrika ankommen. 2017 hätten noch 56 Prozent der Fairtrade-Kakaobauern in Westafrika in extremer Armut gelebt, mittlerweile seien es 17 Prozent. Das sei immer noch zu viel, so Kirner, er sei allerdings zuversichtlich, dass der Anteil in den nächsten Jahren weiterhin sinken werde.