IEA warnt: Nur noch sechs Wochen Kerosin in Europa

IEA warnt: Nur noch sechs Wochen Kerosin in Europa
April 16, 2026

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IEA warnt: Nur noch sechs Wochen Kerosin in Europa

„Früher gab es eine Band namens ‚Dire Straits‘. Jetzt ist es eine dire strait (eine gefährliche Straße), und sie wird gravierende Folgen für die Weltwirtschaft haben“, sagte Birol in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP in Paris. Je länger die Blockade andauert, desto schlimmer werde es für das Wirtschaftswachstum und die Inflation weltweit sein. Die Folgen seien „höhere Benzinpreise, höhere Gaspreise und höhere Strompreise“.

Dabei würden einige Länder schneller als andere betroffen sein, sagte der IEA-Chef. Besonders verwundbar seien ärmere Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika, danach werde die Energiekrise auch Europa und den amerikanischen Kontinent erreichen. „In Europa werden wir bald die Nachricht hören, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel gestrichen werden könnten“, so Birol. Es sei aber „absolut kein Land vor dieser Krise gefeit“.

EU plant Maßnahmen

Der europäische Flughafenverband ACI Europe hatte die EU-Kommission bereits in der vergangenen Woche vor einem drohenden Kerosinmangel gewarnt. Sollte die Straße von Hormus nicht bis Ende April wieder ausreichend geöffnet werden, droht laut einem Schreiben an EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas eine flächendeckende Versorgungskrise in der EU.


IMAGO/Jochen Tack

Fluggesellschaften warnen vor erheblichen Beeinträchtigungen im Reiseverkehr

Die EU-Kommission arbeitet laut einem Entwurf, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, an konkreten Gegenmaßnahmen. Ab dem kommenden Monat soll eine EU-weite Erfassung der Raffineriekapazitäten für Ölprodukte eingeführt werden. Ziel sei es sicherzustellen, dass bestehende Raffineriekapazitäten „vollständig genutzt und aufrechterhalten“ werden.

Die Veröffentlichung der Pläne ist für den 22. April vorgesehen. Die Kommission wollte den Entwurf vorab nicht kommentieren. Der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) hatte neben der EU-weiten Überwachung von Vorräten einen gemeinsamen Einkauf angeregt. Sollte die Versorgung aus dem Nahen Osten blockiert bleiben, könnte der Reiseverkehr vor dem Sommer erheblich beeinträchtigt werden, warnten europäische Fluggesellschaften.

Raffinerien an Kapazitätsgrenze

Europa importiert nach Daten der IEA 30 Prozent seines Bedarfs an Flugbenzin. Rund 75 Prozent der Einfuhren stammen aus dem Nahen Osten. Die Raffineriekapazitäten in Europa sind in den vergangenen Jahren gesunken. Viele europäische Raffinerien arbeiten bereits an der Kapazitätsgrenze.

Zudem ist die Versorgung in Europa sehr ungleichmäßig. „Kleinere Flughäfen im Landesinneren werden in einer schwächeren Position sein als die großen Drehkreuze“, sagte der Ökonom Rico Luman von der ING-Bank. „Es wird nicht zu einem vollständigen Stillstand kommen, sondern zu teilweisen Ausfällen bei einigen Airlines und Flughäfen.“


IMAGO/Wolfgang Simlinger

Raffinerien wie hier im Bild die OMV arbeiten an der Kapazitätsgrenze

Importe aus Afrika und den USA

Die IEA prognostiziert Kerosinengpässe bis Juni, falls die Region nur die Hälfte der üblichen Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzen kann. Zusätzliche Importe aus Afrika und den USA könnten den Ausfall voraussichtlich nicht vollständig kompensieren, so Analysten laut AP. Viele Flughäfen und die Konsortien, die sie mit Treibstoff versorgen, halten demnach keine großen Langzeitvorräte.

Der französische Energiekonzern TotalEnergies warnte bereits, nicht alle seine Kunden beliefern zu können, sollte das Öl aus der Golfregion noch im Juni dort blockiert sein. „Sollten dieser Krieg und diese Blockade länger als drei Monate andauern, werden wir bei einigen Produkten wie Flugbenzin mit ernsthaften Versorgungsproblemen konfrontiert sein“, sagte Konzernchef Patrick Pouyanne.

Kritik an „Maut“ durch Hormus-Straße

Birol sprach sich entschieden gegen ein „Mautsystem“ aus, das Iran auf einige Schiffe in der Straße von Hormus eingeführt hat. Eine dauerhafte Etablierung dieses Systems berge die Gefahr, einen Präzedenzfall zu schaffen, der auf andere Wasserstraßen wie die Straße von Malakka in Asien übertragen werden könnte. Öl müsse „bedingungslos von Punkt A nach Punkt B fließen“, forderte Birol.


AP/Michel Euler

IEA-Chef Fatih Birol befürchtet eine Zuspitzung der Energiekrise

Mehr als 110 mit Öl beladene Tanker und über 15 mit Flüssigerdgas beladene Schiffe würden derzeit im Persischen Golf darauf warten, die Straße von Hormus passieren zu können. Aber selbst mit einem Friedensabkommen werde es noch lange dauern, bis das Vorkriegsniveau erreicht sei. „Über 80 wichtige Anlagen in der Region wurden beschädigt“, sagte Birol. „Es wird bis zu zwei Jahre dauern, bis wir wieder da sind, wo wir vor dem Krieg waren.“

Kerosinpreise stark gestiegen

Seit der Blockade der Straße von Hormus sind die Kerosinpreise stark gestiegen und verteuern das Fliegen. Airlines warnten vor weiteren Preiserhöhungen, Stornierungen und auf dem Boden bleibenden Flugzeugen. Die deutsche Lufthansa etwa stellt den Betrieb der Regionalfluglinie Cityline früher ein als geplant. Neben den hohen Kosten für Kerosin nannte sie auch die anhaltenden Streiks.

Aber auch die Kapazität bei der Kernmarke Lufthansa soll reduziert und ältere Flugzeuge ausgeflottet werden. Die niederländische KLM reagierte ebenfalls auf die hohen Treibstoffpreise und nahm 160 Flüge aus dem Programm.

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