Investitionsminister Chalid al-Falih stellte am Samstag einen Fonds mit einem Volumen von 7,5 Milliarden Rial (1,7 Milliarden Euro) vor, der unter anderem den stufenweisen Bau beziehungsweise Ausbau zweier Flughäfen in Aleppo finanzieren soll. Weiters vereinbarte die saudische Billigairline Flynas mit der syrischen Luftfahrtbehörde die Gründung der Fluggesellschaft „Nas Syria“. An dem Unternehmen, das Ende 2026 den Betrieb aufnehmen soll, hält die syrische Seite 51 Prozent.
Geplant sind Investitionen von fast einer Milliarde US-Dollar (850 Mio. Euro) in die Telekommunikation. Unter der Führung des saudischem Telekommunikationsriesen STC soll über die nächsten 18 Monate bis zwei Jahre unter anderem ein Glasfasernetz aufgebaut werden, das Syrien zum „internationalen Telekommunikationshub“ zwischen Asien und Europa machen soll.
Reuters/Hamad I Mohammed
Der saudi-arabische Investitionsminister Chalid al-Falih
Auch eine Zusammenarbeit im Wassersektor wurde vereinbart. Geplant ist unter anderem eine Meerwasserentsalzungsanlage, um Süßwasser von der Küste in den Süden des Landes zu pumpen, wie der syrische Energieminister Mohammed al-Baschir erklärte.
„Strategische Partnerschaft“ geplant
Es handelt sich um weitere umfangreiche Investitionszusagen seit der Aufhebung der US-Sanktionen im Dezember. Die Strafmaßnahmen hatten den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem 14-jährigen Bürgerkrieg stark behindert. Neben dem Fonds sollen auch private Investoren ihr Geld in die geplanten Projekte in Syrien einbringen.
Der saudi-arabische Investitionsminister Falih erklärte, sein Land und Syrien wollten eine „strategische Partnerschaft“ eingehen. Der Leiter der syrischen Investitionsbehörde, Talal al-Hilali, sagte, die Abkommen beträfen „lebensnotwendige Sektoren, die das Leben der Menschen beeinflussten“, und seien „wichtige Säulen für den Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft“.
Riad will Iran zuvorkommen
Die Regierung in Riad positioniert sich mit dem Vorstoß weiter als wichtigster Unterstützer von Präsident Ahmed al-Scharaa, der nach dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 an die Macht gekommen war. Assad war mit dem Iran verbündet, Riad will diesem bei den neuen Machthabern in Syrien zuvorkommen. Der US-Gesandte für Syrien, Tom Barrack, begrüßte die Vereinbarungen auf der Plattform X als bedeutenden Beitrag zum Wiederaufbau der Infrastruktur.
Die Übergangsregierung will die Wirtschaft wieder ankurbeln und sich als verlässlicher Partner präsentieren. Sie sieht sich allerdings auch Kritik ausgesetzt. Ihr wird vorgeworfen, weitreichende Versprechungen auf Basis von Absichtserklärungen mit ausländischen Investoren zu machen, denen bisher oft keine verbindlichen Verträge folgten.
Bereits Milliardeninvestitionen angekündigt
2025 kündigte Saudi-Arabien bereits an, für den Wiederaufbau in Syrien rund sechs Milliarden US-Dollar (rund fünf Mrd. Euro) zu investieren. Vertreter beider Länder unterzeichneten bei einem Wirtschaftsforum in Damaskus im Juli Abkommen für 47 Projekte aus Bereichen wie Energie, Infrastruktur, Bankwesen und Technologie. Ziel sei, weitere Investoren nach Syrien zu locken, sagte damals der saudische Investitionsminister Falih.
Zu den damals vereinbarten Projekten gehörten der Bau eines Hochhauses in Damaskus und einer Zementfabrik. Die Zementproduktion soll auch beim Wiederaufbau des in weiten Teilen zerstörten Landes helfen, dessen Kosten auf 250 bis 400 Milliarden US-Dollar geschätzt werden. Syriens Wirtschaftsminister Mohammed al-Schaar sagte, dass sogar mindestens eine Billion US-Dollar für den Bau eines „neuen Syrien“ notwendig seien.
USA und Katar wollen Öl und Gas suchen
Auch andere Staaten wollen Geschäfte in Syrien machen. Die Ölkonzerne Chevron aus den USA und Power International aus Katar sollen vor der Küste Syriens nach Öl und Gas suchen. Das staatliche syrische Ölunternehmen und die beiden Konzerne unterzeichneten diese Woche eine entsprechende Absichtserklärung, wie die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete. Das sei der erste Schritt zur Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen unter dem Meeresboden im Mittelmeer.